Zur Geschichte von Poganitz bis 1945

Bei dem Dorf Poganitz handelt es sich um ein kleines Gassendorf, geprägt durch die dargestellte Lehensgeschichte bzw. der Entwicklung des Ritterguts.

Für 1784 nannte Brüggemann 15 Feuerstellen für Poganitz, für 1905 werden 228 Einwohner genannt (lt. Datenbank „Ostpommern e.V.“) und Pagel spricht für den Stichtag 17. Mai 1939 von einer Wohnbevölkerung von 192 bei 43 Haushaltungen. Die Dorfbevölkerung war bis auf eine katholische Ausnahme evangelisch und gehörte zur Kirchengemeinde Lupow und damit zum Kirchenkreis Stolp-Altstadt. Letzter Pfarrer war Gerhard Gehlhoff.

Zum Thema Schule gibt es einige Ausführungen des letzten Lehrers Walter Bohlmann. Danach haben sich die Bewohner von Poganitz am 07.03.1945 bei der Schule versammelt, um vor der heranrückenden sowjetischen Armee zu flüchten. Am 08.03.1945 konnte er aus der Ferne das Schulwirtschaftsgebäude brennen sehen. Die Flucht erfolgte im Treck auf der Chausseestrecke nach Pottangow und dann nach Klein Gluschen, um weiter nach Leba zu fliehen. Bei Gr. Podel wurde der Treck von den sowjetischen Soldaten überholt und die Deutschen wurden wieder zurück in ihre Heimatorte geleitet, verbunden mit allen erdenklichen Übergriffen. Die meisten ehemaligen Bewohner von Poganitz seien zunächst bei Verwandten untergekommen, so kam es, dass der Lehrer Bohlmann als erster in das verwüstete Schulhaus zurückkehrte. Durch Artillerietreffer und Verwüstungen geschädigt, war es der Familie nur möglich, die beiden oberen Räume zu bewohnen. Dieses waren bisher die Zimmer der beiden Söhne gewesen. In den nächsten 2 Monaten zogen mehrere ostpreußische Familien in den Ort und besetzten die verlassenen Häuser. In das Schulhaus zogen 28 Menschen ein, das Klassenzimmer wurde als gemeinsamer Holzstapelplatz benutzt. Die Poganitzer Bevölkerung kehrte erst langsam wieder zurück, um dann ab Mai 1947 endgültig den Ort zu verlassen. Walter Bohlmann war beim ersten Ausweisungsschub dabei. Sein ältester Sohn galt als vermisst, Bohlmann verbrachte 10 Jahre in Ostfriesland und zog später mit seinem jüngsten Sohn nach Bork, Westfalen.

 

Die Schule von Poganitz
aus: Pagel, S. 194

Wann genau die Schule in Poganitz eingerichtet wurde, konnte nicht mehr ermittelt werde, Bohlmann führt in seinem Artikel von 1958 nichts weiter dazu aus.  Allerdings sind schon im 18. Jahrhundert Schulmeister wohnhaft in Poganitz. Genannt sind:

  • Johann Christoph Jonathan Jahns, wh. 1765 Poganitz, Schulmeister u. Ehefrau Sophia, geb. Zessinen
  • Peter Grulich, wh. 1769 Poganitz, Schulmeister u. Ehefrau Christina, geb. Krusen
  • Lorenz Kujels, wh. 1783 Poganitz, Schulmeister u. Ehefrau Catharina, geb. Gohren
  • Peter Jac. Rudloff (*1772, +1812), Schulhalter

Im 19. Jahrhundert war die kleine Dorfschule in einem einfachen Wohnhaus untergebracht. Der Raum wurde immer enger, vor allem, weil die Schüler aus dem damaligen Nachbarort Sochow ebenfalls hier eingeschult wurden.  Seit 1870 gab es seminarisch vorgebildete Lehrer an der Schule in Poganitz, wobei die ersten drei nur für  kurze Zeit hier tätig gewesen sein sollen. Ab 1874 kam Lehrer Friedrich Haack in den Schuldienst und 1878 konnte ein neues Objekt als Schulgebäude gefunden werden. Es handelte sich um das bisherige Chausseehaus, nahe am Ort gelegen. Es hatte bis dahin zur Einnahme von Straßenzoll für die Chausseebenutzung gedient. Nach dem Wegfall der Zollerhebung, kaufte der Rittergutsbesitzer Post das Chausseehaus und ließ es zu Schulzwecken umbauen. Aus der vorherigen Schule wurde das Brennereiwohnhaus. Brennereiverwalter war in diesen Jahren Werner Buhrke mit Ehefrau Wilhelmine, geb. Koch, die der separatistischen Kirchengemeinde angehörten.

Der Lehrer Friedrich Haack, verheiratet mit Emilie, geb. Schulz, unterrichtete von 1874 – 1921 die Schüler in der Poganitzer Schule. So kam Kontinuität in das Unterrichtsgeschehen. Allerdings errichtete die Gemeinde Sochow 1907, nach der Aufsiedelung des dortigen Guts, eine eigene Schule. Dadurch wurde die Poganitzer Schule zu groß und ein Teil zur Lehrerwohnung ausgebaut. Friedrich Haack starb in Poganitz und wurde dort auf dem Waldfriedhof beigesetzt. Seine Söhne ergriffen ebenfalls den Lehrerberuf.

47 Jahre hatte Haack hier unterrichtet, nun übernahm der Lehrer Walter Bohlmann den Unterricht. Unter seinem Regime folgten 1926 und 1930 weitere Um- und Ausbauten. So erhielt die Schule z. B. einen Spielplatz und ein neues Wirtschaftsgebäude. Zu Beginn seiner Tätigkeit 1921 gab es 72 Schüler an der Schule, 1932 unterrichte er einstufig 40 Schulkinder und die Zahl sank bis 1945 auf 35.  Außer zu Unterrichtszwecken wurde die Schule auch zu Versammlungs- und Feierzwecken von der Gemeinde genutzt.

Die Gemeindefläche umfasste 920 ha. Außer dem Gut gab es zwei weitere landwirtschaftliche Betriebe, davon einer mit 10- unter 20 ha und der andere mit einer Betriebsfläche von weniger als 5 ha. Der durchschnittliche Grundsteuereintrag lag mit 6,27 Reichsmark pro Hektar knapp über dem Kreisdurchschnitt (5,95 RM).

Ab 1947 begannen die Ausweisungen der deutschen Bevölkerung aus Poganitz, lt. Heimatortskartei Pommern wurden 61 ehemalige Poganitzer Dorfbewohner in der Bundesrepublik und 86 in der ehemaligen DDR ermittelt. 

 

Literatur:    

Ostpommersche Heimat  1938, Nr. 9, Beilage der Zeitung für Ostpommern:  Zur Geschichte von Poganitz-Sochow

 

 

Die Wassermühle in Poganitz mit dem Stromkraftwerk

Unter der Regentschaft der Adelsfamilie von Pirch waren bereits verschiedene Müller in der Poganitzer Wassermühle tätig. 1774 nennt Brüggemann die Wassermühle als zum Gut Poganitz gehörig.

1847 erwirbt der Mühlenbesitzer Ludwig Ferdinand Wilm mit Ehefrau Friederike geb. Pinnow in Gütergemeinschaft das Gut incl. der Mühle. Sowohl die Will(l)ms als auch die Pinno/Pinnow waren eine verzweigte „Müller/Mühlenbesitzer-Dynastie“ in Hinterpommern.

 

Bei Ludwig Ferdinand Wilm dürfte es sich um den aus Köslin stammenden, späteren Stolper Mühlenbesitzer (1852) Ferdinand Ludwig WILM handeln, welcher die Mahlmühle, genannt „Neue Mühle“ vor dem Mühlentor in Stolp - nachdem sie 1839 abgebrannt war - wieder aufgebaut und um eine Schneidemühle erweitert hatte. Es darf vermutet werden, dass es dieser Mühlenbesitzer dann auch war, der in Poganitz den Ausbau der sehr günstig gelegenen Mühle an der Lupow zu einem für die damalige Zeit großen Werk betrieben hat.

Dass dieser Großbetrieb nicht vom Mühlenbesitzer selbst geleitet wurde, belegen 2 Einträge aus den Jahren 1854 und 1860, in denen der Mühlenbescheider Eduard WETZEL in Poganitz als Taufpate im ev. Kirchenbuch Lupow genannt wird (GenWiki: Der Mühlenbescheider ist eine in Großbetrieben der Müllerei vorkommende Sonderbezeichnung für einen als Obermüller oder Mühlenwerkführer beschäftigten, meist als Angestellter die Stellung eines Werkmeisters einnehmenden gelernten und besonders qualifizierten Müller.) Nur nebenbei sei erwähnt, dass Eduard WETZEL, der aus der Mühle in Budow stammte, später in Mickrow Mühlenbesitzer wurde.

Eine wichtige Stellung nahm die große Poganitzer Wassermühle an der Lupow durch die Jahrhunderte im Alltagsgeschehen ein. Nahe der Wassermühle überquerte die Lauenburger Chaussee die Lupow, Pagel spricht vom „bedeutendsten Lupowübergang“. Verkehrstechnisch also äußerst günstig gelegen, zog die Mühle viele Bauern und Landwirte aus der Umgebung an, die sich hier mit Mehl- und Futtervorräten eindeckten.

 

Ein Elektrizitätswerk war mit der Wassermühle verbunden und belieferte sowohl Poganitz als auch den Nachbarort Sochow mit Strom.

 

Zudem wies die Wassermühle eine eigene Gaststube aus. 1931 wird Holtz als Gastwirt genannt.

Ab März 1945 übernahmen die Sowjets die Wassermühle, die Brennerei und das Elektrizitätswerk und behielten die Regentschaft auch, nachdem die polnische Verwaltung am 1. September 1945 eingerichtet worden war.

 

Als Müller waren folgende Personen für diese Mühle tätig:

  • 1743-1745: Gabriell Prüsen u. Ehefrau Anna Maria, geb. Marzallen (Ki.: Sohn *u.+1743; Dorothea Maria *1745)
  • 1748: Müller Bösen (Schwester war Anna Elis. Bösen, +1748/11 Mühle Poganitz)
  • 1749-1753: Müller Martin Dumrhesen u. Ehefrau Elisabeth, geb. Jarken (Ki.: Christina *1749, +1753; Constantia *1751)
  • 1754-1757: Müller Hans Jantzen u. Ehefrau Anna geb.  (Ki.: Constantia *1754; Christian *1757;
  • 1854-1860: Mühlenbescheider in Poganitz: Eduard Wetzel
  • 1761-1764: Ernst Sielaffs u. Ehefrau Sophia, geb. Papken (Ki.: Ernst Friedrich *1761; Martin *1762; Anna Dorothea *1764)
  • 1766-1770 gen.: Müller Peter Dewitz u. Ehefrau Christina, geb. Woyten, Weyten (Ki.: Anna Dorothea *1766/21; Peter *1768; Christina *1770)
  • 1773: Christian Raschken u. Ehefrau Barbara, geb. Grothen (Ki.: Dorothea Louisa *1773), wh. 1779 Rambow
  • 1780-1782: Müller Johann Christoph Jentschen u. Ehefrau Sophia, geb. Sielaff (Ki.: Joh. Christoph *1780, +1781; Johann Friedrich *1882)
  • 1809: Müller Ernst Gottlieb Miklei u. Ehefrau Friederike Elisabeth, geb. Gilmeister (Ki.: Heinrich *1809, +1875)