Kirche, Schule, Standesamt

Kirche

Die Bewohner der Landgemeinde Langeböse waren überwiegend evangelisch. 1871 gab es 228 Einwohner, alle sämtlich evangelischer Konfession. 1925 wurden lt. Volkszählung 771 Bewohner gezählt, davon waren 726 evangelisch, 29 katholisch und nur ein Jude.

Langeböse gehörte zum Kirchenspiel Schurow und damit zum Kirchenkreis Stop-Altstadt. Von den Kirchenbüchern sind heute noch erhalten und einsehbar:

  • die Geburten 1864-1945
  • die Heiraten 1862-1944
  • die Sterbefälle 1869-1946

Das evangelische Gotteshaus Schurow lag etwa 9 km entfernt von Langeböse, der Weg führte über Vangerske oder Czierwienz dort hin. 

1859 erhielt die Gemeinde Langeböse eine eigene Kapelle, die der Mutterkirche in Schurow unterstellt war und deshalb sind die kirchlichen Einträge in den Kirchenbüchern der Ev. Ki. Schurow zu finden. Diese Kapelle lag auf dem Weg in Richtung Bonkow in einem kleinen Wald. Der Altar war in neugotischem Stil gestaltet und als besonders beeindruckend wurde das Christusbild empfunden:

Blick in das Innere der Kirche, Aufnahme um 1900
Sammlung Peter Doerling

Den Gutsbesitzer K. von Massow zitierend schreibt Pagel über das besondere Christusbild, das es wirke als wenn es „den ganzen Frieden Gottes durch seinen Sohn auf die Welt strahlte.“

Als 1874 der Neubau des Pfarrhauses in Schurow beschlossen wurde, kam es wegen der zu leistenden Hand- und Spanndienste zu Auseinandersetzungen unter den Bewohnern. Die Bauern aus Schurow forderten, dass auch aus den umliegenden Orten diese Dienste zu erbringen seien. Da keine Einigung zu erzielen war, ging die Beschwerde bis zur Regierung in Köslin, wo sie aber abgewiesen wurde. Pagel schreibt dazu:

„Die aus der Verteilung der kirchlichen Baulasten erwachsenen Mißhelligkeiten übten Jahrzehnte hindurch einen ungünstigen Einfluß auf das kirchliche Leben und insbesondere auf die Stellung der Kirchenpatrone zueinander und zu den eingepfarrten aus. Das führte schließlich zur Gründung einer eigenen Kirchengemeinde am 01. August 1912. Die aber weiterhin zur Pfarre Schurow gehörte.“

1940 gehörten acht eingepfarrte Ortschaften mit 3816 Gemeindemitgliedern zu dieser Pfarre, neben Schurow, Darsow, Klein Gluschen, Zechlin, Czierwienz, Groß Runow, Pottangow auch Langeböse. Das Patronat oblag mit einer Stimme dem Rittergutsbesitzer von Massow aus Langeböse und mit einer Stimme den Siedlern von Schurow, deren Obervollmacht der Oberregierungsrat Wagner Inne hatte.

Über das religiöse Leben gibt es sehr unterschiedlichen Erzählungen. In einem sind sich aber alle einig, Religion hat eine große Rolle im hinterpommerschen Leben gespielt. Neben den Jahreszeiten strukturierten religiöse Feste das Landleben. Das Erntdankfest bildete dabei einen ganz besonderen Höhepunkt. Taufen, Konfirmationen und Heiraten wurden selbstverständlich in der Kirche vorgenommen. Wöchentlich gab es Bibelstunden in den Häusern von Langeböse, wobei sich die Familien dabei reihum abwechselten. Auch in den Jahren von 1933-1945 sind wenig Kirchenaustritte zu verzeichnen. Andererseits fühlten sich die Menschen durchaus auch durch strenge religiöse bzw. kirchliche Vorgaben übermäßig reglementiert – statt Tanz und Vergnügen gab es Kirchenchor und Bibelstunden. Vieles sei nicht gestattet gewesen, man wurde streng gehalten. Später hätte das Beten eine große Bedeutung bekommen, besonders in der Zeit nach 1945, in der sog. „Russenzeit“, da hätte man versucht, Ängsten mit Beten zu begegnen.

Schule und Schulleben

Neben der Kirche bildete, insbesondere für die Kinder der Landgemeinde Langeböse, die Schule einen großen, den Alltag strukturierenden Rahmen. Selbst aus Darsow kamen einige Kinder nach Langeböse zum Schulbesuch.

Als Lehrer seien genannt:

Friedrich Junghans

1921 brannte das alte Schulhaus ab und die neue Schule entstand an der Reichsstraße 2. Sie konnte zwei Klassenräume vorweisen. Für die Lehrer standen zwei Lehrerwohnungen zur Verfügung. Des weiteren gehörte zur Schulausstattung ein Lehrmittelraum sowie auf dem Hof ein Wirtschaftsgebäude mit Stallungen. 

1932 war die Schule vierstufig, unterrichtet wurden 135 Schulkinder.

Lehrer:

  • Wilhelm Treptow (gen. 1868-1895)
  • Paul Ferdinand Wilhelm Renn *1857 (gen. 1884)
  • Anzeige in der Lauenburger Zeitung (LZ) v. 02.09.1903: Lehrerstelle in Langeböse vakant, danach:
  • Franz Nemitz (gen. 1905)
  • Wilhelm Frenck (gen. 1906, 1907)
  • Carl Friedrich Marz, Lehrer u. Küster (gen. 1926)

1. Hauptlehrer:

  • Fritz Rhode (bis 1934)
  • Erich Kurt Viktor Rohner *26.04.1896 (01.10.1934-30.04.1936, dann: Glowitz)
  • Arnold Max Alfred Zehm *28.01.1895 (01.07.1925-1945)

2. Weitere Lehrkräfte waren:

  • Als Lehrer: Raddatz, Benz, Fritz Scheewe, Max Zehm
  • Als Lehrerinnen: Fr. Streit, Fr. Giebeler, Fr. Lemke

3. Laienkraft:

  • Eva-Marie Kunkel (während des Krieges)

 

Wahrscheinlich handelt es sich auf dem folgenden Bild um Lehrer Zehm mit den Schulkindern 1936 in Langeböse (vielleicht erkennt sich jemand)

Ältere Schüler/- innen Langeböse 1936
Sammlung W.-E. Wetzel
Jüngere Schüler Langeböse 1936
Sammlung Peter Doerling

Standesamt Langeböse

„Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Bildung der Standesamtsbezirke und die Ernennung der Standesbeamten in Gemäßheit des Gesetzes vom 9. März d. J. über die Beurkundung des Personenstandes und die Form der Eheschließung für den Kreis Stolp in der Weise erfolgt ist, wie die nachstehende Uebersicht ergibt.

 

Stettin, den 1. September 1874.        Der Ober- Präsident.    Frh. von Münchhausen“.

 

So der Wortlaut der Bekanntmachung vom 9. September 1874 im >Kreisblatt des Stolper Kreises<, wonach zum 36. Standesamtsbezirk Langeböse die folgenden Ortschaften (Gemeinde- und Gutsbezirke) gehörten:

Gemeinde Langeböse, Gut Langeböse, die Güter Bonkow, Groß- Ruhnow, Vartzmin a und Vartzmin b, die Gemeinde Zechlin und das Gut Zechlin.

Erster Standesbeamter des 36. Bezirks Langeböse war der Administrator KOBERSTEIN in Ruhnow und als Stellvertreter wurde der Administrator VON RECKOW in Vartzmin a ernannt. Nachfolgend blieb die örtliche Zuständigkeit in etwa über die Jahre 1888 und 1907 hinaus erhalten und als Unterzeichner der standesamtlichen Urkunden fanden sich die Namen BURANDT (1888 – 1913), EGGERT (1914 – 1922) und WETZEL (1923 – 1926) jeweils in Funktion des Stellvertretenden Standesbeamten. Ob die eigentliche Position des verantwortlichen Standesbeamten über diesen langen Zeitraum von immerhin 38 Jahren gewollt unbesetzt geblieben war, bleibt bisher unbeantwortet. Erst ab dem 14.09.1926 – 1945 wurden schließlich der zuvor mit der Vertretung beauftragte Bauer Wilhelm WETZEL in Langeböse zum offiziellen Standesbeamten und zu seinen Stellvertretern  der Bauer Emil GESCHKE und der Landwirt Otto GROTH – beide ebenfalls in Langeböse – ernannt. Als zum 36. Standesamtsbezirk zugehörige Gemeinden zählten jetzt noch Langeböse, Großrunow und Zechlin, wobei Vangerske nur noch als Ortsteil von Großrunow auf den Urkunden Erwähnung fand.

Bleibt zu ergänzen, dass es nach späterer Aussage von Zeitzeugen seiner Familie Wilhelm Wetzel   noch gelungen war, den Bestand der Urkundenbände des Standesamtes 1945 nach Stolp zu verlagern und so vor der Vernichtung im umkämpften und stark zerstörten Langeböse zu retten.

Das nachfolgende Foto wurde anlässlich der Heirat des Landwirtes Paul Kleinke aus Darsow mit Elli Bandemer aus Langeböse am 10.01.1936 wohl vor der evangelischen Kirche in Langeböse aufgenommen und zeigt in der oberen Reihe Mitte auch den Standesbeamten Wilhelm Wetzel mit Ehefrau Irene geb. Groth.

 

Heirat Kleinke-Bandemer 1936
Foto: Sammlung P. Dörling