Zur Geschichte von Groß Brüskow bis 1945

Postkarte Groß Brüskow
Foto: J. Springer

Besitzverhältnisse

Im Jahre 1347 wird ein Zanyst de Brüskow genannt und 1407 als Besitzer ein von Kleist.

In preußischer Zeit gehörte Groß Brüskow zu den achtzehn königlichen Dörfern, die der Stadt Stolp unterstanden.

 

In der Präsentationstabelle 1732 werden folgende Eigentümer genannt:

Schulz: Paul Holtz

Bauern: Hanß Albrecht, Peter Schmidt, Jochem Voß, Peter Schmidt jun. Gregor Albrecht, Jacob Voyelahn

Cossäthen: Martin Schulz, Jacob Wendt, Jochem Voyelahn

Grundgeld zahlen: Michel Schmidt und Greger Schmidt

 

Um 1784 hatte Groß Brüskow einen Prediger, sieben Bauern mit dem Schulzen, drei Kossäthen, acht Büdner, unter denen sich ein Schmied befand, einen Schulmeister und insgesamt 21 Feuerstellen.

 

Im letzten Güteradreßbuch werden als Bauernhofsbesitzer namentlich genannt:

August Albrecht 65 ha Ernst Holtz 30 ha
Johannes Albrecht 24 ha August Schmidt 28 ha
Karl Albrecht 62 ha August Voß 28 ha
Reinhold Albrecht 34 ha Fritz Köpke in Dodow 40 ha

 

Kirche

Die Kirche in Groß Brüskow wird 1490 in einer Urkunde erstmals erwähnt.

Die alte Kirche in Groß Brüskow mußte 1863 einem Neubau weichen. In das Mittelfenster des Chores war ein kleines Wappenbild mit Unterschrift eingesetzt. Diese enthielt den vollen Titel des Herzogs Ernst Bogislaw von Croy. Die Malerei stammte demnach aus der Mitte oder zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Die Kirche besaß zwei Glocken. (s. "Die Glocken von Groß Brüskow")

Seit 1522 war das Kirchspiel Schwolow mit Groß Brüskow verbunden.

Das Kirchspiel Groß Brüskow hatte 1940 fünf eingepfarrte Gemeinden:

  • Grünhagen (Groß Brüskow)
  • Dodow (Groß Brüskow)
  • Klein Brüskow (Groß Brüskow)
  • Steinwald teilw. (Schwolow)

Der Ortsteil Forsthaus Bruchhorst der Gemeinde Groß Brüskow gehörte zum Kirchspiel Dünnow.

Die Kirche Groß Brüskow gehörte zum Kirchenkreis Stolp-Stadt.

 

Pastoren bis 1945 waren:

1581 Joachim Schwichtenberg 1780 Georg Heinrich Pitsch
1605 Johann Hoppe 1815 Siegismund Immanuel Christian Jensen
1617 Johann Pauli 1838 Franz Eduard Theodor Blaurock
1660 Christian Wockenfuß 1887 Ernst Hermann Fuchs
1683 Johann Rüdiger 1913 Hermann Ludwig Albert Ristow
1724 Peter Friedrich Bilang 1933 Heinrich Runkel
1742 David Israel Dimpel    
1744 Georg Albrecht Gottel    
1747 Johann Friedrich Schall    
1753 Florian David Hamilton    

Zu den erhaltenen Kirchenbüchern siehe Groß Brüskow.

Die Glocken von Groß Brüskow

Die Kirche von Groß Brüskow besaß zwei Glocken.

Die erste Glocke, eine C-Glocke mit einem unteren Durchmesser von 59 cm und einem Gewicht von 178 kg, wurde am 8.7.1917 an den Magistrat der Stadt Stolp abgeliefert.
In Umkehrung des bekannten Bibelspruchs wurden im ersten Weltkrieg "Pflugscharen zu Schwertern" gemacht, beziehungsweise Kirchenglocken zu Kanonen.
Hierfür erhielt die Kirchengemeinde nach Ende des Krieges eine Entschädigung von 518 Mark.
(Qu.: Bescheinigung des Magistrats des Stadtkreises Stolp vom 18.10.1920)

Die zweite Glocke mit einem unteren Durchmesser von 71 cm und einem Gewicht von 130 kg wurde 1594 gegossen.Sie trägt die Inschrift: "Si/deus/pro/nobis/quis/contra/nos/1594" (d.h.: Wenn Gott für uns ist, wer mag dann wider uns sein.), einem Vers aus dem Römerbrief. Diese Glocke hat auch den zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden. Allerdings ist sie dem Schicksal ihrer Schwester in aller letzter Minute entronnen, dennn sie fristete bis 1961 ihr Dasein auf einem Klockenfriedhof bei Hamburg, wo sie eingeschmolzen werden sollte. Sie wurde aber der Rommerskirchener Kirchengemeinde in Frixheim zum Kauf angeboten.
Diese Gemeinde hatte 1955 das erste evangelische Gotteshaus im Bereich der Gemeinde Rommerskirchen erhalten. Einen Glockenturm hatte das Gotteshaus allerdings nicht bekommen, so wurde der Dachreiter mit einer ganz speziellen Glocke ausgestattet. Eine von der Firma Alu Norf gegossene Alu-Glocke rief die Gläubigen zum Gottesdienst. Eine richtige Glocke wäre einfach zu schwer gewesen.
1961 wurde die neue Glocke angekauft und hierfür wurde der Dachstuhl abgerissen und statt dessen ein Turm für zwei Glocken gebaut. 1963 war es nun soweit. Die Groß Brüskower Glocke wurde, ergänzt durch eine neu gegossene Glocke der Firma Rinker, am 2. Juni. dem 1. Pfingstfeiertag 1963 von Pfarrer Gustav Baron von Girard de Soucanton eingeweiht und eingeläutet. Den Gottesdient leitete der frühere Pfarrer von Groß Brüskow Pastor Runkel. An diesem Ereignis nahmen auch 50 ehemalige Mitglieder der alten Kirchengemeinde Groß Brüskow-Schwolow teil.
(Qu.:
- Pommersche Zeitung vom 06.09.1969, Jg. 19/Folge 36
- Online-Ausgabe der Neuss-Grevenbroicher Zeitung www.ngz-online.de vom 02.04.2010)

Die Fotos der Glocke von Groß Brüskow wurden freundlicher Weise zur Verfügung gestellt von C. Schmitz, Kirchenbüro der ev. Kirchengemeinde in Rommerskirchen. Die alte Alu-Glocke hängt heute im Eingangsbereich der Kirche. Wie man unschwer erkennen kann, war sie nicht sonderlich groß.

Persönlichkeiten

Heinrich Runkel

Pfarrer Heinrich Runkel
mit seiner Familie 1941
Foto: K. Lehbrink, geb. Runkel

Heinrich Runkel wurde am 7. April 1893 in Köslin als Sohn des Lehrers Carl August Wilhelm Runkel (1860-1942) und dessen Ehefrau Hermine Amalie Wilhelmine Therese Guse (1868-1941) geboren.

Nach dem Abitur studierte er in Halle, Tübingen und Greifswald Theologie und beendete 1914 das Studium mit dem ersten Staatsexamen.

Nach der Teilnahme am ersten Weltkrieg 1915-1918 wurde er Vikar in Köslin und nach Ablegung des zweiten Staatsexamens 1920 zum Hilfsprediger ordiniert.

Am 05.05.1922 heiratete er in Schlawe Irene Laabs (1901-1987).

Die 1. Pfarrstelle bekleidete er 1922/23 in Medow, Kr. Anklam/Vorpommern.

Es folgte 1926-1933 die zweite Pfarrstelle in Treblin/Pommern.

1933 wurde er in Groß Brüskow in seine 3. Pfarrstelle eingeführt.

Im August 1946 wurde er ausgewiesen und kam über Stettin-Lübeck-Wipperfürth ins Oberbergische.

Hier wohnte er zuerst in Derschlag, Reg.-bezirk Köln. Anderthalb Jahre war er Religionslehrer am Bergneustädtischen Gymnasium, bis er 1948 als Pfarrer nach Wiedenest berufen wurde.

Nach seiner Pensionierung 1960 zog er nach Gummersbach-Bredenbruch.

Am 12.02.1987 starb seine Ehefrau.

Heinrich Runkel starb am 03.12.1992 in Gummersbach.

Mit seiner Ehefrau Irene hatte Heinrich Runkel sechs Töchter und 3 Söhne.

 

Quelle:

  • Angaben von Katharina Lehbrink, geb. Runkel
  • Wilhelm Rohde, Verzeichnis der pommerschen Pfarrer in den Regierungsbezirken Stettin und Köslin von 1903 bzw. 1912 bis zur Vertreibung