Und wieder brannte es in Deutsch Karstnitz

von Uwe Kerntopf (Kommentare: 1)

Glos Pomorza 08.05.2012

Robert Kupisiński von der Bibliothek des Mittelpommerschen Museums in Stolp schickte den Zeitungsartikel über den erneuten Brand im Schloss Deutsch Karstnitz, der auch in der Onlineausgabe der Zeitung abgerufen werden kann.

Der Brand Anfang 2009, über den hier auch berichtet wurde, hatte das Schloss schon ziemlich zerstört.

 

Freundlicherweise lieferte Robert auch die deutsche Übersetzung, für die wir uns herzlich bedanken möchten:

 

Feuer und Diebe zerstören das Schloss

Baudenkmäler: Von dem alten Puttkamerschen Schloss sind nur Schutt und Asche übriggeblieben. Bei einem Brand vor drei Jahren wurde das Bauwerk größtenteils zerstört. Die Dorfbewohner versuchen, das Schlossgelände auf eigene Faust in Ordnung zu bringen, denn der Besitzer drückt sich davor.

Am Anfang des verlängerten Wochenendes Anfang Mai vor drei Uhr nachts haben wir bemerkt, dass etwas neben dem Schloss brennt, sagt Gabriela Krenciszek, Bürgermeisterin in Karstnitz, Gemeinde Hebron Damnitz. - Wie sich herausstellte, das brannte der Turm, der den Brand von 2009, durch den das Baudenkmal zerstört wurde, überstanden hatte. Es tut einem Leid, ansehen zu müssen, wie alles hier verkommt. Es tut allen Leid, die hier wohnen. Wir sehen das jeden Tag und im Rahmen der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen haben die Männer aus unserem Dorf den Wassergraben um das Schloss gesäubert. Es schwammen dort nur Unrat und Flaschen.

Machtlos fühlt sich auch die Gemeindeverwaltung, die vergeblich Schreiben an den privaten Besitzer des Schlosses schickt. - Zunächst konnten wir seine Adresse nicht ermitteln, nachher haben wir ihn in unseren Schreiben aufgefordert, das Gelände in Ordnung zu bringen, bekamen aber keine Antwort – sagt Pawel Lewandowski, stellvertretender Gemeindevorsteher von Damnica. Das Schloss ist ein Baudenkmal, das sofort mit unserer Gemeinde in Verbindung gebracht wird. Wenn es von der Liste der Baudenkmäler gestrichen wird, lässt sich nichts mehr machen. Ein Antrag auf die Streichung wird vom Ministerium für Kultur und Nationalerbe bearbeitet.

Auf die Entscheidung können wir keinen Einfluss nehmen. Das Streichungsverfahren ist langwierig und noch nicht zu Ende – sagt Dorota Szulecka von der Slupsker Außenstelle des Denkmalschutzamtes in Gdansk, der wir von dem wiederholten Brand auf dem Schlossgelände und seiner fortschreitenden Vernichtung berichteten. U.a. davon, dass aus den historischen Wänden Ziegel gestohlen werden. - In einigen Tagen fahre ich zur Kontrolle in Deutschkarstnitz. Da kann ich mir alles dort ansehen. Sollte das Bauwerk zerstört werden, ordnen wir an, dass der Besitzer Sicherheitskehrungen trifft.
Doch die Denkmalschutzbehörde kann in Sachen der Sicherung des Geländes nichts tun. Jetzt hat jedermann zu der Schlossruine freien Zugang. Es gibt weder abschließbares Tor noch Warnschilder. Wenn das Betreten des Bauwerks lebensgefährlich ist, muss sich damit die Bauaufsichtsbehörde beschäftigen – betont Szulecka.

Geschichte des Schlosses
Das Schloss derer v. Puttkamer in Deutsch Karstnitz wurde im 18. Jh. gebaut, auf einer Insel im Überschwemmungsgebiet des Flusses Karstnitz, als Wasserschloss. Zu Zeiten der Volksrepublik Polen erlebte er seine letzte Blütezeit. Noch vor 20 Jahren wurden hier Hochzeiten veranstaltet. In den 90er Jahren ging er in den Besitz der Gemeinde Hebrondamnitz über. Das Schloss wechselte mehrfach seine Besitzer, die seine Ausstattung wegbrachten, Bäume im Park fällten sowie Umbau- und Abrissarbeiten unternahmen. In der nach vom 3 zum 4 November 2009, als das Schloss schon der Nexbud-Gesellschaft in Orle gehörte, ist das Schloss abgebrannt. Der Besitzer schätzte seinen Verlust auf 2 Mio. Zloty. Die Brandverursachung hat Bogdan Ch. Angestellter der Gesellschaft gestanden, der an diesem Abend mit Feuerzeug im Schlossgarten nach seiner Brieftasche gesucht haben soll. Er wurde zu 1,5 Jahren Haft auf 4 Jahre Bewährung, 1000 Zloty Geldstrafe sowie 20.000 Zloty Spende zugunsten des Denkmalschutzes verurteilt.

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Kommentar von Fritz Loll |

Schade, dass die Ehrfurcht vor gemeinsamen Europäischen Kulturgütern so gering ist.
Vielleicht sorgt die Generation nach uns dafür, dass solche Kunstschätze, wie die Inneneinrichtung dieses Schlosses, vernichtetet werden und unwiederbringlich verloren sind..

fritz loll